Quereinstieg mit 50: Wie das Handwerk ältere Berufsumsteiger jetzt dringend braucht
Handwerk bleibt vergleichsweise krisenfest und öffnet Türen für späte Umsteiger
Kempten — Während Konzerne Stellen abbauen und die Konjunktur schwächelt, präsentiert sich das Handwerk in vielen Regionen als stabiler Arbeitgeber und als realistische Perspektive für Menschen mittleren Alters, die sich beruflich neu orientieren möchten. Bei einem Gespräch in der Kemptener Redaktion betont Hans-Peter Rauch, Präsident der Handwerkskammer Schwaben, dass Betriebe weiterhin dringend Fachkräfte suchen und zunehmend auch erfahrene Quereinsteiger willkommen heißen.
Rauch erklärt, dass zahlreiche Gewerke etwa in Bau, Elektro, Heizung und Sanitär sowie im Ausbau spürbar unter Fachkräftemangel leiden. Die Kombination aus praktischer Erfahrung, Zuverlässigkeit und Lernbereitschaft mache ältere Bewerber für viele Betriebe attraktiv. Zugleich gebe es immer mehr flexible Ausbildungs- und Einstiegsmöglichkeiten, die auf die Bedürfnisse späterer Berufsumsteiger zugeschnitten sind.
Praxisnähe und Förderung als Schlüssel
Für Quereinsteiger gibt es unterschiedliche Wege: von verkürzten Ausbildungen über praxisorientierte Umschulungen bis hin zu modularen Weiterbildungen, die vorhandene Kompetenzen anrechnen. Die Handwerkskammer bietet Beratung zu Fördermöglichkeiten, Qualifizierungsmaßnahmen und regionalen Vermittlungsangeboten. Rauch weist darauf hin, dass staatliche Förderprogramme und Bildungsträger den Übergang erleichtern können, etwa durch Zuschüsse oder begleitende Maßnahmen zur beruflichen Integration.
Herausforderungen und realistische Erwartungen
Trotz der Chancen sollten potenzielle Quereinsteiger realistische Vorstellungen haben. Die Arbeit ist körperlich fordernd, Arbeitszeiten können variieren, und die Bezahlung unterscheidet sich je nach Gewerk und Region. Betriebliches Onboarding, Mentoring durch erfahrene Kollegen und die Bereitschaft, praktische Fertigkeiten zu erlernen, sind entscheidend für den erfolgreichen Einstieg.
Praktische Tipps für Bewerber
- Vorab kleine Praktika oder Schnuppertage nutzen, um Alltag und Anforderungen kennenzulernen
- Mit der Handwerkskammer Kontakt aufnehmen und Beratungsangebote in Anspruch nehmen
- Bestehende berufliche Kompetenzen analysieren lassen und auf Anrechenbarkeit prüfen
- Offenheit für Weiterbildung und zunächst auch geringere Einstiegsgehälter zeigen
Rauch blickt optimistisch auf die kommenden Monate: Viele Betriebe seien bereit, in die Einarbeitung zu investieren, wenn Motivation und Teamfähigkeit stimmen. Für Ältere, die sich einen nachhaltigen und sinnstiftenden beruflichen Neuanfang wünschen, kann das Handwerk eine echte Alternative sein.

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