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Handwerk im Umbruch: Wie Quereinsteiger jenseits der 50 neue Perspektiven finden

10. Juni 2026

Quereinstieg übers 50 ist realistisch und gefragt

KEMPten. In einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit bleibt das Handwerk stabiler als viele Branchen und braucht Fachkräfte aus ungewohnten Quellen. Hans-Peter Rauch, Präsident der Handwerkskammer Schwaben, erklärt im Gespräch, warum auch ältere Berufsumsteiger gute Chancen haben und welche Bedingungen sie beachten sollten.

Rauch betont, dass praktische Erfahrung, Zuverlässigkeit und Lernbereitschaft mehr zählen können als das reine Alter. Viele Betriebe suchten aktuell gezielt nach Mitarbeitenden, die sich umorientieren wollen, etwa nach Entlassungen in anderen Sektoren. Besonders gefragt seien handwerkliche Grundfertigkeiten, technisches Verständnis und die Bereitschaft, sich weiterzubilden.

Für Quereinsteiger ergeben sich verschiedene Wege in den Betrieb: verkürzte Ausbildungsmodelle, geförderte Qualifizierungen und individuelle Einarbeitungspläne. Rauch weist darauf hin, dass Arbeitgeber zunehmend flexible Arbeitszeiten und altersgerechte Tätigkeitsprofile anbieten, um erfahrene Arbeitnehmer zu integrieren. Teilzeitmodelle oder die Kombination aus Produktionstätigkeit und koordinierenden Aufgaben seien denkbare Optionen.

Wichtig sei eine realistische Einschätzung der körperlichen Anforderungen. Viele Tätigkeiten lassen sich technisch erleichtern oder so organisieren, dass sie auch länger verrichtet werden können. Betriebe beraten hierzu und nutzen Förderprogramme, um Arbeitsplätze altersgerecht umzugestalten.

Praktische Tipps für Interessierte

  • Transferierbare Kompetenzen herausstellen: handwerkliches Geschick, Projektleitung, Kundenkontakt oder Leitungserfahrung.
  • Weiterbildung prüfen: verkürzte Ausbildungen, Meisterkurse, zertifizierte Umschulungen mit Fördermöglichkeiten.
  • Netzwerke nutzen: Handwerkskammern, lokale Betriebe und Beratungsstellen bieten Vermittlung und Orientierung.
  • Offen und pragmatisch bleiben: Bereitschaft, neu anzufangen und Verantwortung schrittweise aufzubauen, erhöht die Chancen.

Rauch macht deutlich, dass das Handwerk langfristig auf integrative Lösungen setzt. Statt jüngere Bewerber gegenüber Erfahrenen zu bevorzugen, zähle die Mischung aus Erfahrung und frischem Engagement. Für viele Betroffene kann ein Wechsel ins Handwerk nicht nur wirtschaftliche Stabilität bringen, sondern auch neue Perspektiven und berufliche Zufriedenheit.

Die Handwerkskammer Schwaben bietet Beratung für Quereinsteiger und Betriebe an und unterstützt bei Vermittlung und Förderung. Wer an einem Neuanfang interessiert ist, findet hier konkrete Ansprechpartner und Informationen zu Förderprogrammen.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: allgaeuer-zeitung.de
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