Bundeswehr setzt auf Quereinsteiger und zahlt Prämien — Kritik an Ungleichheiten wächst
Bundeswehr wirbt gezielt Quereinsteiger mit Prämien und höheren Einstiegsgraden
Die Bundeswehr öffnet verstärkt die Türen für Quereinsteiger, um die Personalziele der NATO zu erreichen. Verteidigungsminister Boris Pistorius treibt den Ausbau der Truppe voran, nachdem Ende Dezember 2025 rund 184 200 Soldatinnen und Soldaten in der aktiven Truppe registriert waren. Langfristig sollen 260 000 Aktive und 200 000 Reservistinnen und Reservisten erreicht werden.
Die Einstufung neuer Bewerberinnen und Bewerber richtet sich nach dem individuellen Profil. Schulabschluss, berufliche Ausbildung, Studium und bisherige Berufserfahrung bestimmen den möglichen Einstiegsdienstgrad. Wer bereits Qualifikationen mitbringt, kann demnach sofort in höhere Besoldungsstufen eingestuft werden.
Was Berufseinsteiger verdienen können
Das Grundgehalt für neu eingestellte Soldaten im niedrigsten Dienstgrad liegt aktuell bei 2 707 Euro brutto pro Monat. In Bereichen mit besonderem Personalbedarf zahlt die Bundeswehr zusätzlich eine monatliche Verpflichtungsprämie von 451 Euro, womit das Gesamtbrutto auf 3 157 Euro steigt. In höheren Dienstgraden sind deutlich höhere Bezüge möglich: Ein Oberst kann beispielsweise bis zu 8 473 Euro brutto monatlich verdienen.
- Mannschaftsdienstgrade: teilweise ohne Schulabschluss möglich
- Unteroffizierslaufbahn: abgeschlossene Ausbildung erforderlich
- Offizierslaufbahn: Studienabschluss vorausgesetzt
Widerspruch im System
Die Verpflichtungsprämien sorgen für Spannungen innerhalb der Truppe. Kritiker bemängeln, dass Neueinsteiger mit Prämien in Einzelfällen mehr verdienen als erfahrene Unteroffiziere. Ein Feldwebel in Erfahrungsstufe 2 erzielt etwa 3 051 Euro brutto und liegt damit teils unter dem Einstiegsgehalt mit Prämie. Diese Situation wird intern schon als «Neukunden-Bonus» bezeichnet.
Der CSU-Verteidigungsexperte Thomas Erndl warnt vor einer Aushöhlung bewährter Besoldungsprinzipien. Seiner Ansicht nach muss die Bezahlung der Bundeswehr konsequent Verantwortung, Leistung und Erfahrung widerspiegeln, damit Führung, Motivation und der Zusammenhalt in der Truppe erhalten bleiben. Rekrutierungsprämien für Fachkräfte seien zwar punktuell sinnvoll, dürften aber nicht zu einer schrittweisen Aufweichung des Vergütungssystems führen.
Die Debatte um Prämien und Einstiegsgrade dürfte an Schärfe gewinnen, während das Verteidigungsministerium weiter um Personal wirbt und gleichzeitig die Balance zwischen kurzfristigem Bedarf und langfristiger Besoldungsgerechtigkeit finden muss.

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