Vom Lehrermangel zur Jobsuche: Warum junge Lehrkräfte auf Stellen warten
Lehrermangel ist passé – Absolventen finden kaum Stellen
Was noch vor wenigen Jahren als dringende Personalnot galt, ist in kurzer Zeit zur Umkehr geworden: Junge Lehramtsabsolventen stehen nach ihrem Abschluss plötzlich ohne Beschäftigung da. Die Ernüchterung ist groß, wie Studierende aus Graz berichten.
Die 27 Jahre alte Maja Höggerl hat gerade ihre Masterprüfung in Graz bestanden und begann sofort mit der Suche nach einer Stelle. Sie bewarb sich bewusst auch außerhalb der Stadt, vor allem in der Obersteiermark. Ihre Bilanz fällt ernüchternd aus: «Ich habe überall eine Absage bekommen», sagt sie. Unter ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen kenne sie nur eine einzige Person, die tatsächlich eine Lehrstelle erhalten habe.
Noch bis vor kurzem wurden in zahlreichen Regionen Quereinsteiger geworben, Klassenzimmer waren von Bewerbermangel geprägt. Diese Zeiten scheinen vielerorts vorüber. Für junge Lehrkräfte bedeutet das neue Warten und Unsicherheit, obwohl sie formal qualifiziert sind und bereits Prüfungen und Praxisphasen absolviert haben.
Die Betroffenen richten Appelle an die Bildungspolitik: Mehr Transparenz bei Stellenausschreibungen, vorausschauende Personalplanung und gezielte Fördermaßnahmen für den Übergang von Studium in Beruf werden gefordert. Expertinnen und Experten sehen zudem die Notwendigkeit, regionale Bedarfsprognosen klarer zu kommunizieren, damit Absolventinnen und Absolventen ihre Berufswege besser planen können.
Für viele der frisch examinierten Lehrkräfte in Graz bleibt die Frage offen, wie der berufliche Einstieg gelingen soll. Die Situation stellt nicht nur einzelne Absolventinnen und Absolventen auf die Probe, sie wirft auch grundlegende Fragen zur Steuerung von Personalressourcen im Schulsystem auf.
Abschließend appellieren die Betroffenen an die Politik, die Momentaufnahme ernstzunehmen und Strukturen zu schaffen, die einen verlässlichen Übergang von der Hochschule ins Klassenzimmer ermöglichen.