Quereinstieg ins Lehramt wird zur Antwort auf den Lehrkräftemangel
Lehrkräftemangel öffnet Türen für Quereinsteiger und Seiteneinsteiger
Leere Stundenpläne, ausgefallener Unterricht und Schulen, die händeringend nach Personal suchen: Der Mangel an Lehrkräften ist in Deutschland Realität und eröffnet zugleich neue Wege in den Schuldienst. Immer mehr Bundesländer lockern die Zugangswege und ermöglichen Fachfremden mit Hochschulabschluss den Einstieg vor die Klasse. Für viele Berufserfahrene ist das eine einmalige Chance auf einen sicheren, gesellschaftlich sinnstiftenden Beruf.
Warum jetzt der richtige Moment für einen Wechsel sein kann
Steigende Schülerzahlen, der Ausbau der Ganztagsbetreuung und altersbedingte Pensionierungen führen zu einem massiven Bedarf an neuen Lehrkräften. Prognosen gehen je nach Modellrechnung von Zehntausenden fehlenden Lehrpersonen in den kommenden Jahren aus. Vor allem MINT-Fächer und berufsbildende Schulen suchen akut Personal. Für Quereinsteiger heißt das: die Chance, mit fachlicher Expertise und Engagement direkt gebraucht zu werden.
Quereinstieg versus Seiteneinstieg
Die Begriffe werden oft synonym verwendet, sie bedeuten jedoch nicht immer dasselbe. Beim Quereinstieg absolvieren Bewerbende zumeist ein reguläres Referendariat und schließen mit dem zweiten Staatsexamen ab. Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger starten häufig direkt im Unterricht und werden parallel pädagogisch nachqualifiziert. Welche Bezeichnung genutzt wird, hängt vom Bundesland und vom jeweiligen Zugangskanal ab.
Fünf gute Gründe für den Wechsel ins Lehramt
- Berufliche Sicherheit: Hoher Bedarf verspricht langfristige Perspektiven.
- Fachwissen bleibt wertvoll: Studienfächer können direkt in den Unterricht eingebracht werden.
- Klare Vergütung: Besoldungs- oder Tarifgruppen schaffen Planbarkeit.
- Sinnstiftende Arbeit: Direkter Kontakt zu jungen Menschen und sichtbare Wirkungen.
- Planbare Arbeitszeiten und Ferien: Trotz Vor- und Nachbereitung klare Rhythmen.
Was du mitbringen musst
Grundvoraussetzung ist in den meisten Bundesländern ein abgeschlossenes Hochschulstudium, meist auf Master- oder gleichwertigem Niveau. Mindestens B2-Deutschkenntnisse, das Bestehen eines pädagogischen Eignungsfeststellungsverfahrens und die Bereitschaft zur berufsbegleitenden Nachqualifizierung sind weitere Bausteine. Besonders gesucht sind Bewerbende für Mangelfächer wie Mathematik, Informatik, Physik, Chemie sowie an beruflichen Schulen.
Bundesländer zeigen unterschiedliche Wege
Die konkreten Regelungen variieren stark: Einige Länder trennen klar zwischen Quereinstieg und Seiteneinstieg, andere nutzen überwiegend einen Begriff. Manche Bundesländer akzeptieren direkte Einstiege an beruflichen Schulen, andere setzen auf das Referendariat. Ein Blick auf die jeweiligen Kultusministerien lohnt sich vor jeder Bewerbung, denn Förderprogramme, reduzierte Stundenpläne oder Mentoring-Angebote können den Einstieg deutlich erleichtern.
Gehalt und Status
Während des Vorbereitungsdienstes erhalten Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger bereits Vergütung. Nach Abschluss stehen ihnen in der Regel die gleichen Besoldungs- oder Tarifgruppen offen wie den klassisch ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen. Die konkrete Höhe variiert zwischen den Bundesländern und den jeweiligen Beschäftigungsmodellen.
Ablauf des Einstiegs
Der typische Weg beginnt mit der Bewerbung beim zuständigen Schulamt oder Kultusministerium und dem Nachweis des Studienabschlusses. Es folgt oft eine pädagogische Eignungsprüfung, gegebenenfalls mit Unterrichtspraktikum. Bei positiver Entscheidung schließt sich ein Vorbereitungsdienst an, der je nach Modell 12 bis 24 Monate dauern kann und praxisorientiertes Unterrichten mit pädagogischer Qualifizierung kombiniert.
Herausforderungen nicht unterschätzen
Der Sprung aus der freien Wirtschaft vor eine Schulklasse ist anspruchsvoll. Classroom-Management, Differenzierung innerhalb einer Lerngruppe und pädagogische Routinen gehören nicht zum Handwerkszeug vieler Fachstudierter. Schulen mit guten Unterstützungsstrukturen, Mentoring und reduzierten Stundenplänen senken die Abbruchquote erheblich. Informiere dich daher frühzeitig, welche Begleitung dein künftiger Einsatzort bietet.
Kurzantworten auf wichtige Fragen
- Kann ich ohne Studium Lehrer werden? In den meisten Ländern nein. Ein Hochschulabschluss ist Voraussetzung, Ausnahmen werden punktuell diskutiert.
- Wie lange dauert der Weg? Der Vorbereitungsdienst dauert üblicherweise 12 bis 24 Monate, danach bist du voll ausgebildete Lehrkraft.
- Werde ich schlechter bezahlt? Nach Abschluss gilt in der Regel dieselbe Besoldung wie bei klassischem Lehramtsstudium.
Fazit: Wer fachliche Expertise mitbringt und bereit ist, pädagogisch nachzulegen, findet im derzeitigen Arbeitsmarkt gute Chancen. Der Erfolg hängt jedoch stark von der Wahl des Bundeslands, der Schulform und der vorhandenen Unterstützungsangebote ab.