Quereinsteiger im Aufwind: Warum ein Studium heute nicht mehr automatisch Privileg bedeutet
Mehr Unternehmen setzen auf Quereinsteiger statt nur auf Abschlüsse
Köln – Eine aktuelle Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt: Sechs von zehn Firmen in Deutschland holen gezielt Berufsfremde ins Team. Der Trend kommt zugleich Berufseinsteigern und Beschäftigten zugute, die bereits im Job sind und neue Wege einschlagen wollen.
Arbeitgeber beachten laut Studie zunehmend praktische Kompetenzen und Lernbereitschaft statt alleiniger Papierqualifikation. Personalverantwortliche berichteten, dass Bewerber mit klar belegbaren Transferfähigkeiten und Praxisbeispielen oft besser überzeugen als reine Titel auf dem Lebenslauf.
Karriereberater Felix von Zittwitz erklärt, wie Bewerber als Quereinsteiger punkten können: Statt nur formale Abschlüsse zu betonen, solle man konkrete Erfolge, lösungsorientiertes Denken und die Fähigkeit, sich schnell in neue Aufgaben einzuarbeiten, in den Vordergrund stellen. Ein prägnanter, konkreter Satz zur eigenen Motivation und zu übertragbaren Fähigkeiten kann im Gespräch demnach ebenso viel wie ein Studium bewirken.
Die Konsequenz für Hochschulabsolventen ist ambivalent: Ein Uni- oder FH-Abschluss bleibt wertvoll, garantiert aber nicht automatisch Karrierevorteile. Unternehmen, die Fachkräftelücken spüren oder flexiblere Strukturen suchen, gewichten Potenzial, Softskills und praktische Erfahrung zunehmend höher.
- Für Jobsuchende heißt das: Bewerbungsunterlagen auf Kompetenzen zuschneiden, Praxisbeispiele vorbereiten und Lernbereitschaft deutlich machen.
- Für Unternehmen kann die Öffnung gegenüber Quereinsteigern helfen, vakante Stellen schneller zu besetzen und neue Perspektiven ins Team zu bringen.
Die Studie deutet auf einen grundlegenden Wandel am Arbeitsmarkt hin: Qualifikation bleibt wichtig, wird aber zunehmend durch demonstrierbare Fähigkeiten und Anpassungsbereitschaft ergänzt. Wer beides kombiniert, erhöht seine Chancen deutlich.