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Überlastet, aber unverzichtbar: Fünf Fakten zur Pflege in Niedersachsen

12. Mai 2026

Pflegekräfte sind stark belastet, bleiben aber für viele ein bewusster Berufsweg

Am 12. Mai macht der Internationale Tag der Pflege auf die Bedeutung und die Belastungen des Pflegeberufs aufmerksam. Neue Auswertungen zeigen: In Niedersachsen sind Pflegebeschäftigte deutlich häufiger krankgeschrieben als andere Berufsgruppen, zugleich entscheiden sich viele Menschen bewusst für diese Arbeit.

Verdienst: Mehr als das Vorurteil vermuten lässt

Die Lohnsituation hat sich in den vergangenen Jahren verbessert. Nach Angaben der AOK liegt der durchschnittliche Stundenlohn für Pflegefachkräfte in Niedersachsen bei 26,68 Euro, für Pflegehilfskräfte bei 20,33 Euro. Berufseinsteiger in der Pflegefachkraftausbildung starten bei einem Grundgehalt von rund 3 500 Euro brutto im Monat; Zuschläge für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste erhöhen das tatsächliche Einkommen in vielen Fällen.

Gesundheit: Hohe Fehlzeiten, häufig psychische und muskuloskelettale Erkrankungen

Die Techniker Krankenkasse wertet Versicherungsdaten dahingehend aus, dass Pflegekräfte 2025 im Schnitt häufiger krankgeschrieben waren als Beschäftigte in anderen Branchen. Besonders ausgeprägt sind die Fehlzeiten in der Altenpflege mit durchschnittlich 32,7 Krankheitstagen. Häufige Ursachen sind psychische Belastungen sowie Rücken- und Muskel-Skelett-Beschwerden.

Quereinstieg: Ein wichtiger Zugang zum Beruf

Der Pflegeberuf zieht zahlreiche Quereinsteiger an. Im Jahr 2022 waren in Niedersachsen rund 18 Prozent der Auszubildenden in der generalisierten Pflegeausbildung älter als 30 Jahre. Viele wechseln in die Pflege, weil sie eine sinnstiftende Tätigkeit suchen oder sich beruflich neu orientieren möchten. Der ehemalige Mechatroniker und heutige Pflegefachkraft Patrick Kömpe aus Fredenbeck sagt dazu: «Die Arbeit ist anstrengend, aber auch bereichernd. Am Ende des Tages sieht man, was man geschafft hat.»

Ausbildungsabbrüche und Personalbedarf

Die Abbrecherquote in der Pflegeausbildung liegt bei etwa einem Drittel bis einer Viertel der Ausbildungsfälle. Gründe sind die hohe körperliche und psychische Belastung, Schichtdienst und der oft fehlende Raum für ausreichende Anleitung im Alltag. Seit der Zusammenlegung von Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege zu einer generalistischen Ausbildung ist die Erwartung an Lernende gestiegen, verschiedene Bereiche in kurzer Zeit zu beherrschen. Anke Kahlig, Leiterin einer Pflegeeinrichtung in Fredenbeck, betont: «Viele Auszubildende müssen sehr schnell unterschiedliche Versorgungsbereiche kennenlernen, das erzeugt Druck und Verunsicherung.»

Personallage: Mehr Pflegebedürftige, zu wenig Fachkräfte

In Niedersachsen arbeiten nach Angaben aus 2023 rund 110 000 Menschen allein in der Altenpflege. Die Zahl der Pflegebedürftigen stieg zwischen 2021 und 2023 um 14,8 Prozent auf rund 623 000 Personen. Der Bedarf wächst damit deutlich schneller als die Zahl neu ausgebildeter Fachkräfte. Viele Einrichtungen versuchen, ehemalige Mitarbeitende zurückzugewinnen und Ausbildungsbedingungen zu verbessern, um dem Personalmangel zu begegnen.

Der Internationale Tag der Pflege soll nicht nur Danke sagen, sondern auch die Diskussion über Arbeitsbedingungen, Bezahlung und Ausbildung anstoßen. Niedersachsen steht exemplarisch für die Herausforderungen, die die Pflege in Deutschland derzeit prägen.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: ndr.de

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