Rückgang im Lehramtsstudium: Hochschule verliert rund ein Fünftel der Studierenden
Lehramtszahlen sinken deutlich
Die Zahl der Lehramtsstudierenden an der Pädagogischen Hochschule in Weingarten ist in den vergangenen Jahren erheblich gesunken. Im Vergleich zum Wintersemester 2019, als noch rund 2 500 Studierende eingeschrieben waren, fehlen heute knapp 500 Personen – ein Rückgang von etwa 20 Prozent. Vor allem naturwissenschaftliche Fächer wie Chemie verzeichnen dramatisch niedrige Erstsemesterzahlen.
Hinter dem Trend stehen mehrere Ursachen: der demografische Wandel mit weniger jungen Menschen, ein angekratzt erscheinendes Berufsimage seit der Corona-Pandemie sowie veränderte Erwartungen der Generation Z. Lehrende berichten zudem von wachsender Belastung im Schulalltag, Konzentrationsproblemen bei Schülerinnen und Schülern durch intensiven Handykonsum sowie von sozialen und sprachlichen Herausforderungen in Klassenzimmern. All das schrecke junge Menschen vom Eintritt in den Lehrerberuf ab.
Gegenmaßnahmen und neue Wege in der Ausbildung
Die Hochschule reagiert mit einem Bündel von Maßnahmen, um wieder mehr Nachwuchs für das Lehramt zu gewinnen. Dazu gehören zielgruppenspezifisches Marketing, die Entwicklung digitaler Lehrprojekte und die gezielte Transformation von Studiengängen. Ein Schwerpunkt liegt auf engeren Kooperationen mit regionalen Schulen, um potenzielle Studierende frühzeitig zu erreichen und sie in der Region zu halten.
- Ausbau der Schulkooperationen zur Ausbildungsbindung vor Ort
- Initiativen für Quereinstiege unter dem Label «Alternative Wege ins Lehramt»
- Programme zur Integration und Qualifizierung von Lehrkräften aus dem Ausland
- Digitalisierungsprojekte und modernes Marketing zur Steigerung der Attraktivität
Besonders im ländlichen Raum ist das Problem drängend: Dort fehlen bereits jetzt vielfach Lehrkräfte, und die regionale Bindung von Absolventinnen und Absolventen gilt als Schlüssel zur Entspannung der Lage. Die Hochschule betont, dass sie diesen Prozess aktiv begleiten will, um langfristig stabile Unterrichtsversorgung zu sichern.
Teil eines bundesweiten Trends
Der Rückgang der Studierendenzahlen auf dem Lehramt ist kein Einzelfall. Hochschulen zur Lehrerausbildung in ganz Deutschland melden ähnliche Entwicklungen. Experten verweisen darauf, dass strukturelle Veränderungen in der Arbeitswelt und die veränderten Berufserwartungen junger Menschen größere Anpassungen in Aus- und Weiterbildung erfordern. Ob die aktuellen Maßnahmen ausreichen, wird sich in den kommenden Semestern zeigen.
Stadt und Region beobachten die Entwicklung mit Sorge, denn die Qualität der schulischen Bildung hängt auch von der Fähigkeit ab, Lehrkräfte zu gewinnen und zu halten. Die kommenden Jahre könnten deshalb entscheidend sein für die Ausrichtung der Lehramtsausbildung und die Sicherung des Unterrichts auf dem Land und in kleineren Städten.