Quereinstieg in den Lehrberuf: Hohe Bindung trotz Defiziten bei Professionalisierung
Mehr als neun von zehn Quereinsteigern wollen im Schulsystem bleiben
Eine aktuelle wissenschaftliche Evaluierung zeigt, dass die überwiegende Mehrheit der Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger mit ihrer Arbeit an Schulen zufrieden ist, zugleich aber Fortbildungs- und Unterstützungsangebote nicht immer ausreichen. Die Befunde werfen Fragen zur nachhaltigen Professionalisierung und zur langfristigen Integration dieser Lehrkräfte auf.
Die Initiative Klasse Job, gestartet 2022, reagierte auf einen damals akuten Lehrkräftemangel. Bewerberinnen und Bewerber benötigten lediglich ein fachlich geeignetes Studium und mindestens drei Jahre Berufserfahrung. Fast 13.000 Menschen zeigten Interesse, knapp die Hälfte erhielt eine Zertifizierung, etwa 2 360 Personen wurden an Schulen aufgenommen. Im vergangenen Jahr unterrichteten noch 685 dieser Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger; zuletzt machten sie rund ein Zehntel aller Neueinstellungen aus.
Die Studie konstatiert eine generell hohe Arbeitszufriedenheit, berichtet aber auch von Lücken in der fachspezifischen Didaktik, in mentoraler Unterstützung und in strukturierten Weiterbildungsangeboten. Diese Schwachstellen können die Unterrichtsqualität und die berufliche Entwicklung der Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger beeinträchtigen, wenn ihnen nicht gezielt begegnet wird.
Das Bildungsministerium kündigte an, nachzujustieren und die Professionalisierung gezielt zu stärken. Vorgeschlagen werden unter anderem ausgeweitete Einstiegskurse, intensivere Begleitung in den ersten Berufsjahren und verlässliche Mentoring-Strukturen an Schulen. Fachleute betonen, dass solche Maßnahmen entscheidend sind, um die positiven Effekte des Quereinstiegs langfristig zu sichern und den Bedarf an Lehrkräften qualitativ zu decken.
Für das Schulsystem geht es nun darum, die Balance zu finden zwischen schnellen Lösungen für akute Personalengpässe und nachhaltigen Investitionen in die Ausbildung und Begleitung jener, die den Weg in den Unterricht auf unkonventionellem Pfad gesucht haben.